Soziales Leben, Beziehungen

Sozialpsychologie wird immer bedeutsamer: wie nehmen Menschen sich selbst, ihre Umwelt und sich selbst in ihrer Umwelt wahr, soziale Kognition und Konstruktion einer sozialen Realität. In einer Umwelt, in der viel Gutes, aber auch viel Bedrängendes einwirkt, muss man mühsam lernen Entstehung, Ursache und Wirkung zu verstehen. Da werden Kausalitäten konstruiert und Eigenschaften zugeordnet, die zum einen ganz widersprüchlich sein können und andererseits in die Irre führen. Und da wird ganz unterschiedlich interpretiert, da werden objektive Sachverhalte oft gänzlich unterschiedlich verstanden.

Man spricht von Kausalattribution. Die Menschen bleiben natürlich Egoisten – der Self-serving Bias, die Dinge werden zugunsten der eigenen Person verzerrt. Man passt sich an, biegt die Regeln zurecht, sucht seinen Vorteil und übernimmt eine Rolle.

Soziale Prozesse – Einflüsse von Rollen und Regeln:

  • Schön, wenn alles klappt - und man schon früh (z.B. durch Familie, Eltern, etc.) eine guten Weg bekommt.
  • Aber was ist, wenn das nicht so ist, und man muss nur mit Mißfälligkeiten kämpfen (Arbeitslosigkeit, Alkohol, Milieu, etc.).
  • Selbst unter optimaler Sozialisation sind Menschen negativ steuerbar:
  • Siehe das bekannte Experiment „Gefangene & Wächter“,
  • eine unsägliche Katastrophe, Abbruch nach wenigen Tagen.
  • So erklären sich Folter, systematische Gewalt und Massaker.
  • Was tun, wenn Menschen glauben, dass es richtig ist Böses zu tun ?
  • Und wer wagt es dann noch sich gegen eine aggressive Gruppe zu stellen ?www.Ideale-der-westlichen-Welt.de

Das hohe Risiko besteht darin, dass dies unterbewusst, bestenfalls vorbewusst geschieht, so dass man zu spät erkennt, welchen Schaden man sich und anderen zufügt. Interessanterweise erfüllen sich dann auch Erwartungen (self-fulfilling prophecies oder Pygmalion Effekt). Das, was sich die Menschen erwarten und erhoffen, wird begünstigt und befördert.

Soziale Normen:

  • Zugehörigkeit zu einer Gruppe -> Erwartungen zu erfüllen.
  • Negative Konsequenzen -> wenn diese nicht erfüllt werden.
  • Uniformität -> Abweichungen nur teilweise erlaubt
  • Zwang ausgeübt -> Zurückweisung, Umerziehung, Ausstoßen
  • Konformität gibt vor allem Gescheiterten Sicherheit – Zugehörigkeit
  • Konformität fordern schwache Menschen am gnadenlosesten ein,
  • selbst wenn Führung Fakten ganz offensichtlich falsch interpretiert:
    • 25% setzen aggressiv die Fehlbeurteilungen der Führungsgruppe um
    • nur 25% der Gruppe bleiben sich treu und unabhängig
    • 50 – 75% variieren, neigen zur Anpassung nach Entwicklung
  • Alltagsbeispiele:
    • Drogenkonsum bei Jugendlichen.
    • Firmen: „ungeliebte“ Meinungen-Standpunkte werden sanktioniert.
    • Die Mehrheit schweigt meist
      • Aggressive Minderheiten setzen sich meist durch
      • organisiert-konsequent-aggressiv-überzeugt-konstant
      • wird der Mehrheit eine Richtung aufgedrängt.

Gruppenpolarisierung:

  • Gruppen neigen zum Polarisieren
  • Bedürfnis nach Aufrechterhaltung eines gemeinsamen Eindrucks
  • Da überbietet man sich dann sogar in der Polarisierung
  • Gruppendynamik – Ausgrenzung – usw.
  • Situation – Gruppe – Norm -> da können auch kluge vernünftige
    Menschen etwas ganz Irriges tun, meist aggressiv und ausgrenzend.
  • Zu oft Instrumentalisierung einer Gruppe mit Feindbildern.

 

Man findet das abgemildert im Alltag:

  • Arzt/Pflege/Arzthelferin - Patient (Helferleinsyndrom – Dominanz)
  • Vorgesetzter - Arbeiter (z.B. Putzkolonnen, Baustelle-Leiharbeit)
  • Ehe mit Abhängigkeitsverhältnis
  • Gescheiterte Eltern – kleines Kind (Kind als „Ventil“)
  • Behörden (Schikane mit Vorschriften)
    • Freude an der Kontrolle über andere Menschen
    • Dominanzstreben als wichtiger Lebensinhalt
    • eigene Defizite damit verschleiern.


Prosoziales Verhalten – Altruismus:

  • Prosoziales Verhalten, das in erster Linie weitestgehend ohne Berücksichtigung der eigenen Sicherheit oder eigenen Interessen durchgeführt wird.
  • Vereinzelt mit hohen Risiken oder Opfern,
  • ontogenetisch sinnvoll zum Erhalt der Gruppe (Familie, Stamm, Land)
  • emotionale Verbundenheit, Empathie (Nähe, Kindchenschema, Schönheit, etc.),
  • reziproker indirekter Altruismus sogar im Tierreich, Nutzen kommt zurück,
  • Anerkennung, soziale Beziehungen stärken,
  • eigene Person in der Gruppe stärken,
  • Zugehörigkeit, Identifikation.
  • Christentum („Liebe“): positiver Bewertung durch die Gruppe
  • Auch im ZEN ist „Mitgefühl“ ganz hoch angesiedelt;
  • Hilfemotivation ist interkulturell genetisch angelegt,
  • Hilfemotivation kann durch Bitten aktiviert werden
    ABER:
  • Verantwortungsdiffusion  je mehr Zuschauer, desto weniger ist der einzelne „zuständig“
  • Bewusst nicht bemerken  man schaut weg, wenn die Risiken oder der Preis zu hoch sind.
  • Gruppendynamik, Gruppe bewertet Notfall nicht als Notfall -> dann wird nicht geholfen!

Aggression:

  • In der Kindheit Manipulation mit Schuld-Schamgefühl,
  • dies bewirkt Unterdrückung, Hemmung und wiederum Aggression.
  • Schwache Geschöpfe, die unsicher sind, ziehen sich entweder zurück,
    oder werden aggressiv.
  • Ausmaß auch genetisch-hormonell vorbestimmt (u.a. Zwillingsstudien).
  • Hemmung und Enthemmung von Aggression in der Amygdala,
  • Größe der Amygdala und eine MAOA-Gen korrelieren mit Aggression,
  • kann hormonell aber auch mit Elektroablation beeinflusst werden.

  • Versuche mit Affen stellen gewachsene Hierarchien auf den Kopf,
  • wobei der „neue“ Führer dann irrational und hyperaggressiv wird,
  • der alte Führer am Ende steht und verzweifelt,
  • eine kleine „intellektuelle“ Gruppe bleibt davon unbeeinflusst.

 

Kultur & Aggression :

  • Verbundenheit in der Gruppe hemmt intern die Aggression, weil kein Selbstschutz mehr nötig ist.
  • Westliche Kleinkinder sind aggressiver und bedürfen mehr Selbstschutz als japanische Kleinkinder (früh kulturelle Normen vermittelt)

  • 2 strukturell identische und benachbarte Dörfer in Südamerika, seit 1500 Jahren  ein Dorf gewalttätig mit 5facher Mordstatistik

  • Kultur der Ehre in südlichen Gefilde sehr stark,
  • Reputation, Selbstwert, Familie, Rache, Gesichtsverlust,
  • Interessanterweise sind diese Menschen sehr freundlich,
  • wenn man ihnen höflich und nicht-beleidigend begegnet;
  • hohes Bedürfnis nach Anerkennung, Respekt, Selbstschutz,
  • gepaart mit Angst und Schwäche.
  • Video, Spiele, Filme -> Gewaltmedien induzieren Gewalt.


Situative Aggression:

  • Frustration steigert das Aggressionspotenzial
  • Angst vor Konsequenzen (Strafe) unterdrückt Aggression
  • Hitze (heißes Klima) steigert Rate an Aggression-Gewalt-Übergriffen
  • Spott-Ausgrenzung  Amokläufer
  • Anhaltende Provokation  induziert gezielte-gesteuerte Aggression
  • Depressive Menschen  fordern Zuwendung-Liebe aggressiv ein
  • Impulsive Aggression  plötzlich, spontan bei emotionalen Menschen
  • Instrumentale Aggression  bewusst geplant.

 

Erlaubte Aggression durch legitimierte Autorität:

  • Versuchsprotokoll mit ansteigenden Stromschlägen (ein Schauspieler)
  • -> alle protestierten, unterbrachen, weinten  und taten es dann doch
  • -> Versuchsleiter „übernahm die Verantwortung“
  • -> und der Proband machte weiter !
  • -> „Das Experiment erfordert es fortzufahren“, und es wurde getan
  • ->  60% gingen bis zum Knopf „bedrohlicher Schock“
  • -> mit Krampfanfällen (ein Schauspieler).
  • -> Diese Probanden waren Studenten, ganz normale Menschen!

  • 75% setzten Welpen (Quietschen, Schreien, massive Angst etc) unter maximale Stromstöße, weil das angeordnet war.
  • 20/22 Krankenschwestern gaben wissentlich falsche Medikamente mit 4-fach zu hoher Dosis ! auf Anordnung („er hat die Verantwortung übernommen“).

  • So funktionieren Folter, Tötungen und Massaker auf Befehl, und das tun ganz normale Menschen !


Wie funktioniert das - Erklärung:

  • Hyposensibilisierung, langsames Steigern der Untaten.
  • Wesentlich ist die Gruppenzugehörigkeit.
  • Zuerst tut es nur Einer, dann folgen andere.
  • Zuerst assistiert man nur bei einem „Befehl“.
  • Der Kommunikator ist „glaubwürdig“,
  • das Opfer ist emotional und räumlich getrennt.
  • Ganz schnell hat der Einzelne soviel Schuld,
  • die er nun eigentlich erkennen und einräumen müsste.
  • Damit verlöre er aber die Gruppenzugehörigkeit,
  • und wird dann oft sogar selbst zum Opfer.

  • Bedürfnis nach Anerkennung und Zugehörigkeit zu/in dieser Gruppe,
  • Bedürfnis „sich korrekt zu verhalten“ (Angst vor Sanktion-Ausschluss)

  • Es gibt keinen einfach-erkennbaren-direkten Weg aus dieser Situation,
  • Vorliebe für „Gehorsam“ gegenüber einer Autorität,
  • Autorität und Gehorsam bei vielen Menschen als positive Begriffe.

  • Ein Held leistet Widerstand, handelt nach seinem Gewissen,
  • bleibt aufmerksam und moralisch richtig.


Demokratie versus Autokratie: In repressiven Systemen hat die untere Schicht enorme Benachteiligungen und Schwierigkeiten; und sie hat keine Chance diese einer Lösung zuzuführen. Diese Frustrationen suchen ein Ventil. Dies wird ganz gezielt genutzt zur politischen Steuerung. Es wird ein Sündenbock benannt und es wird gestattet diesen zu misshandeln. Dies ist im Tierreich ebenso, z.B. Hennen, Pferde, Wolfsrudel, Schimpansengruppen, uvm. Die letzten 2 - 5 in der Hierarche bekommen enorm Druck und Mißfälligkeiten; diesen Frust reagieren sie gnadenlos am Untersten ab, auf den wird dann pausenlos eingehackt. Für eine moderne Gesellschaft ist das extrem schädlich, bindet wertvolle Ressourcen und führt zur  Rückwärtsentwicklung. Die demokratischen Gesellschaften der westlichen Welt haben dies überwunden.

Demokratisierungsprozess: In repressiven System gibt keine Prozesse, die demokratisch, anständig und fair sind. Es bilden sich Interessengruppen und es staut sich sehr viel Aggression. Wenn man die Ordnungsmacht enthebt, dann ersetzt man etwas sehr Schlechtes durch etwas noch viel Schlimmeres: man öffnet die Büchse der Pandora. Die Entwicklung freier und demokratischer Gesellschaften ist schwierig. Die freiheitliche Demokratien des Westens sind ein unschätzbar hohes Gut, das wir schützen müssen.


Kriege und Völkermord:

  • Schwere Lebensbedingungen, Umbrüche, Ökonomie kollabiert.
  • Existentielle ökonomische Bedrohung, knappe Ressourcen.
  • Nun Polarisierung in: In-Gruppe versus Out-Gruppe.
  • Ein externes Feindbild-Sündenbock zur Ablenkung von der Realität.
  • Eine Out-Gruppe ist schuld, verantwortlich.
  • Nun die Strategie der Befreiung von („inneren“) Feinden
  • Rationalisierung, Erklärungskonstrukte, Propaganda.
  • Eine Kommunikation, die nun Aggression rechtfertigt.

    Z.B.
    -> Rassismus als Vorwand, Feindbild, Entmenschlichung
    -> Familie schützen, Vaterland, Söhne, Töchter
    -> Vermeintlich übergeordnetes Interesse (Religion)

Autokratische Führer:

Autokraten treffen alle Entscheidungen mit Aufgabenzuweisungen,
-> stehen aber selbst über der Gruppe

Demokratische Führer
-> befördern Entscheidungen in der Gruppe

Mitglieder autokratisch geführter Gruppen:

  • leisten-arbeiten mehr, aber nur unter Kontrolle-Überwachung,
  • aggressiver, 30-fache Feindseligkeit,
  • gleichzeitig ausgeprägt Angst, Schwäche, Unsicherheit.
  • Sie brauchen mehr Aufmerksamkeit,
  • zerstören eigenen Besitz und machen andere dafür verantwortlich
  • aggressive Hierarchie,
  • Schwächere als Ventil für Wut und Frustration.

Demokratische freie Gruppen:

  • gleichmäßige Leistung auch ohne Aufsicht
  • höchste Effizienz
  • höchstes Maß an Interesse, Motivation, Originalität
  • Unzufriedenheit wird offen kommuniziert
  • diese Gruppe wird favorisiert
  • höchste Loyalität und Freundlichkeit
  • mehr Lob, mehr Teilen, oft spielerische Atmosphäre
  • u.a. Experimente Lewin 1939