Klinische Psychologie

Der Mensch definiert sich selbst über die Inhalte seines Bewusstseins und seiner Gedanken. Man spricht vom „menschlichen Geist“. Wie das funktioniert, wie das entsteht, was das ist, das ist nicht beschreibbar, sehr variabel und erschreckenderweise höchst störanfällig: Drogen, Medikamente, Krankheiten, Emotionen, Angst, Hormone, psychischer und sozialer Druck, andere Gesellschaft, andere Normen, u.v.m. können hier schlagartige Veränderungen verursachen.

Was sehen uns als einzigartigen Individuen – durch unser Gehirn:

  • Das Großhirn -> erbringt hochwertige mentale Verstandesleistungen:
  • Abstraktes Denken, Analyse der Umwelt, Handlungsstrategien, Konzepte, Zukunftsplanung, Erfindungen, lebenslange Veränderungen durch Lernen und Leben in der Gruppe.
  • Mittelhirn -> Steuerungs-Ordnungs-Funktion
  • Limbisches System -> Gedächtnis, emotionale Verknüpfungen, Aggression, Triebe, Affekte, Sozialverhalten.
  • Hirnstamm -> Atmung, Verdauung, Herz-Kreislauf, „Instinkte“

Dem sog. Geist, dem sog. Bewusstsein steht das Unterbewusste gegenüber:

  • Die meisten Reaktionen und Gedächtnisinhalte sind nicht bewusst,
  • bestenfalls geahnte, also vorbewusste Prozesse
  • und werden automatisiert abgerufen und umgesetzt,
  • Sprache, Gedanken, Emotionen, Bewegung, Vegetativum, u.v.m.
  • Die überwiegenden Gedanken, Emotionen, Körperreaktionen,
  • werden initialisiert und laufen ab, ohne dass wir das kontrollieren,
  • im Sinne einer Konditionierung.
  • Verknüpfungen über Mittelhirn und limbisches System.www.Ideale-der-westlichen-Welt.de

Thalamus und Hippocampus, Mittelhirn:

Informationen aus dem Körper und den Sinnesorganen werden über den Thalamus und Hippocampus zur Großhirnrinde geführt. Dies ist ein Filter und eine Steuerungszentrale, welche Informationen erkennt, die für den Organismus im Moment wichtig sind und an die Großhirnrinde weitergeleitet und bewusst werden sollen. Diese Regulation ist notwendig, damit Entscheidungen gefällt werden können, die steuern, wie der Körper und das Gehirn in einer Situation reagieren sollen. Im Thalamus und Hippocampus befinden sich auch Opioidrezeptoren; Unterbewusstes wie Lust, Belohnung und triebhaftes Verhalten werden hier mit der Ratio (sog. Bewusstsein) gekoppelt.

Was tut das Bewusstsein:

  • Es richtet die Aufmerksamkeit auf etwas,
  • fokussiert sich auf Informationen,
  • speichert Inhalte,
  • verknüpft abgespeicherte Inhalte (Erfahrungen, Wissen, Daten, Emotionen),
  • dabei wird wahrgenommen, geplant, gesteuert und kontrolliert,
  • dies kann man bewusst steuern,
  • findet zu größten Teilen aber unbewusst statt, auch hier meist unbewusste Verknüpfungen.
  • Dem entsprechend ist die Wahrnehmung und Beurteilung einer Realität extrem unterschiedlich,
  • selbst bei sachlich und objektiv betrachtet identischen Inhalten.
  • Unterbewusst bedeutet, dass man gar keinen bewussten Zugriff hat.
  • Vorbewusst bedeutet, dass man es, bei gezielter Betrachtung, erkennen könnte.

 

Thalamus, Hippocampus, limbisches System steuern die Emotionen:

  • Vulnerabilität für starke emotionale Stressoren; Atrophie als Effekt von chronischem emotionalen Stress.
  • Personen mit Depression zeigen reduziertes Volumen derHippocampusformation.
  • Menschen mit geringer Bildung reagieren im Bereich Hippocampus sehr schwach auf Musik (sog. musikalische Intelligenz)
  • Inaktivität und ein sinnloses langweiliges Leben schädigen diese Hirnstruktur.
  • Rauschtrinken während der Adoleszenz stört Ausbildung des Hippocampus nachhaltig, im Erwachsenenalter dann u.a. Vergesslichkeit und mangelnde
    räumliche Orientierung.

Einfluss des Schlafes:

  • Tiefschlaf- und REM-Phasen bewirken einen erholsamen Schlaf.
  • Vor allem unterbewusste Inhalte werden geordnet.
  • Ohne Tiefschlaf und REM erschöpft der Mensch zunehmend. (Anmerkung: Störung u.a. durch Alkohol, Medikamente, Krankheiten)
  • Im Traum (v.a. nachts, aber auch überraschend viel tagsüber - Tagträume) werden Inhalte „verarbeitet“
  • Wie das funktioniert und wie man was interpretieren könnte, das ist bis heute nicht erklärbar.

Interessant hierbei:

  • Mit Meditation (ZEN, Gebet, Ordensleben, andere) und der Psychoanalyse werden zunehmend unterbewusste Inhalte bewusst wahrgenommen.
  • Diese Wahrnehmung ist zunächst sehr verstörend und kann extrem belastend sein, und führt zu aufregenden, aufwühlenden und oft recht bizarren Träumen.
  • Interessant: Wenn man durch regelmäßige Meditation Gedanken, Reaktionen und Emotionen distanziert betrachten kann, dann werden
    die Träume angenehm, man träumt dann eigenartigerweise „bewusst“ und angenehm, und man erinnert sich am Folgetag.

Meditation:

  • Zuerst erkennt man nur aberwitzig konfuse Gedanken, Emotionen, Körperempfindungen
    -> Ganz langsam (1 Jahr) beginnt man viele Reaktionen distanziert wahrzunehmen.
  • Zuerst wird das Bewusste konzentriert und bewusst wahrgenommen:
    -> das kann schon sehr belastend und verstörend sein.
  • Dann betrachtet man zunehmend das Vorbewusste:
    -> wie Gedanken, Emotionen, Körperreaktionen im „Hintergrund“ ständig ablaufen.
  • Und zunehmend kommt auch Unterbewusstes „nach oben“
    -> Bis dahin unterbewusste Konditionierungen werden erkannt

Verschiedenste Techniken:

  • Atmen im Sitzen, langsames Gehen, Bogenschießen,
  • Achtsamkeit im Alltag, Papierfalten, Zeichen malen,
  • repetitive Gebete (Rosenkranz), monotone Choräle.
  • Konzentration z.B. Körper, Objekt, Gedanken, Atmung, Bewegung.

Hypnose:

  • Geführte Meditation „von außen“ - Hypnose:
    -> Gehirnaktivität wird in ein bestimmtes Areal gelenkt,
    - z.B. Wahrnehmung Stimme, Emotionen, Musik, Körper, usw.
    - Es können z.B. schmerzhemmende Areale aktiviert werden
    - Erfolg ist abhängig von der Person,
    - hypnotisierbar sind Menschen mit großem Gehirn und guter Bildung,
    - die das Thema Bewusstsein-vorbewusst-unterbewusst verstehen
    - und die Bereitschaft zur Betrachtung mitbringen.

Meditation und Demenz:

  • Pianisten und Meditierende entwickeln i.d.R. keine Demenz.
  • Ähnlich bei Tänzern, Sängern, Musikern oder Tai-Chi.
  • Es kommt zu einer Verdickung des Hippocampus und Thalamus.
  • Dieser Hippocampus ist:
    - die organisierende Verknüpfungs-Stelle des Gehirns,
    - wo alles eingeht und gezielt zugeordnet und weitergeleitet wird,
    - ganz wichtig für Erkennung, Planung und Steuerung im Leben,
    - ganz wesentlich bzgl. Gedächtnis, weil hier verknüpft wird,
    - beispielsweise auch objektive Inhalte mit Emotionen verknüpft.
  • Demenz hat als Korrelat im MRT (Kernspin) einen rasch schrumpfenden Hippocampus; dies ist initial reversibel (Geistesarbeit, sinnvolle Aufgabe, Tanz, Singen, Tai-Chi).
  • Der Hippocampus ist sehr groß bei Meditierenden, Musikern, Sängern, Tänzer, Tai-Chi.
  • Die Sinntherapie nach Fabry und Frankl hilft nachweislich bei Depressionen und beginnender Demenz.

Umgang mit Konflikten, Aufgaben, Stress:

  • Situationen haben völlig unterschiedliche Auswirkungen auf Einzelne.
  • Emotionale und gedankliche Verknüpfungen sind individuell.
  • „Wer sich selbst beherrscht, der beherrscht die Welt ( das Ganze).“
  • Wesentlich ist das Erkennen und Bewerten einer Situation,
  • man muss in der Lage sein Zusammenhänge zu Überschauen (Bildung).
  • Das Ganze und Teilaspekte sind bestmöglich zu gewichten.
  • Man darf sich von der Herausforderung nicht abwenden,
  • „am Ball bleiben“,
  • und muss übergeordnete (sinnvolle, altruistische) Ziele haben.
    Sog. Persönlichkeitsmodelle helfen hier nicht:
    - sind unrichtig, ungeeignet und sinnlos,
    - Menschen haben viele verschiedene Facetten,
    - die sich mit dem Umfeld u. der Situation schlagartig wandeln können,
    - bis ins Gegenteil.
    - Deshalb erwiesen sich Persönlichkeitstestungen als unbrauchbar;
    - Einstellungs- und Eignungstestungen erwiesen sich als nicht valide.

Persönlichkeit, Steuerung, Motivation und Siegmund Freud :

  • Er sah die Motivation begründet in Selbsterhaltung und Eros
  • Als Kind seiner Zeit hat er das Thema „unterdrückte Libido“ überstark formuliert
  • Er postuliert die Kaskade ES - Über-ICH - ICH
    • ES -> primitive Triebe
    • Über-Ich -> übergeordnete Werte
    • ICH -> realitätsgebundene Umsetzung
  • A. Adler -> beschreibt das triebgesteuerte ES als minderwertig, das man im Leben zunehmend überwinden oder zumindest kompensieren muss.
  • Verdrängung ins Unterbewusste durch das ES
    • ein Abwehrmechanismus
    • führt zunehmend zur unterbewusten Konditionierung eines Menschen

Entwicklung des Menschen und C. G. Jung:

  • die gleichen Archetypen durch alle Kulturen,
  • es gibt ein kollektives Unbewusstes analog Instinkt, Bedürfnis nach Mystik und Rausch.
  • Urarchaische Bedürfnisse wie Trance, Rausch, Kraft, Ekstase, Macht, Triebe, Schutz, Geborgenheit, Libido in allen Kulturkreisen
  • Diese dürfen nicht unerkannt im Unterbewusstsein bleiben,
  • Dürfen nicht ungehemmt konditionieren,
  • Muss man erkennen, benennen und steuern.
  • Das ist sehr ähnlich dem lust- und triebgesteuerten instinkthaft animalischen „ES“.

Verschiedene Psychotherapien :

  • Psychoanalyse:
    • verbalisieren, Emotionen ausdrücken, Barrieren erkennen
    • Aufdecken unter- und vorbewusster Inhalte
    • Diese werden damit steuerbar
  • Verhaltenstherapie:
    • löst Probleme nicht, bessert Symptome
    • Abbau von Ängsten durch Exposition und Hyposensibilisierung
    • Gegenkonditionierungen (statt Alkohol besser Muskeltraining o.ä.)
  • Aversionstherapie:
    • selbstschädigende Antriebe werden beantwortet
    • mit Schmerz, Strafe, o.ä.
    • oder auch Belohnung bei Nicht-Beantwortung
  • Soziales Lernen:
    • Nachahmung, Training, Verfestigung
  • Kognitive Therapie:
    • falsches Denken triggert unterbewusst ausgelöste Emotionen
    • negative Gedanken erkennen, dass die falsch sind
    • Aktiv erkennen, was unterbewusst anflutet und zu ändern ist.
  • Humanistische Therapie,
    • Sinntherapie nach Joseph Fabry und Viktor Frankl.
    • Schuldgefühle, weil Wichtiges-Richtiges nicht getan wird
    • Mangel an bedeutungsvollen menschlichen Beziehungen
    • Fehlen wichtiger-richtiger motivierender Ziele

Interessanterweise ist die Sinntherapie die einzige psychologische Therapie, die einen wirklichen, gesicherten und nachhaltigen Nutzen hat. Ein sinnvolles Leben ist der Schlüssel zu seelischer Gesundheit.

Einige Begriffe:

Aggression:
Ein Verhalten, das einem Anderen Individuum Schaden zufügt. Anmerkung: nicht selten subtil oder gar getarnt als Freundlichkeit.

Altruismus:
Ein sehr soziales Verhalten, das Andere unterstützen soll oder befördert; vordergründig ohne Berücksichtigung eigener Vorteile.

Archetyp:
Durch alle Kulturen und Epochen vergleichbare Verhaltensweisen; siehe auch Verhaltenslehre. Ähnlich dem Tierreich gibt es Reaktionsmuster und Verhaltensweisen, die nahezu identisch sind, obwohl sich diese Gruppen nie begegnet sind. Das ist heute selten, früher waren aber beispielsweise Ägypter und Tschutschuken ohne Kontakt, Psyche und Sozialverhalten jedoch sehr ähnlich.

Burn out Syndrom :
Wird von vielen (ähnlich Fibromyalgie-Syndrom) als Depression eingestuft. weil man Anforderungen nicht erfüllt (man will nichts tun – aber trotzdem Anerkennung & Liebe) Syndrom emotionaler Erschöpfung und zuletzt einbrechendem  Engagement, oft als stressverursacht erachtet. Aber: Zusammenhang ist sehr fraglich, es gibt auch das „bore out“, Menschen ohne Visionen, Ideale oder Engagement. Depressive Anspruchshaltung = Aggression, Therapie und lange Rekonvaleszenz als „Strafe“ für Vorgesetzte und Kollegen. Selbst kein Engagement, aber aggressives Einfordern von Zuwendung.

Coping:
Mit inneren und äußeren Anforderungen umgehen, die ungut sind und erst mal nachteilig sind. Beispiel sind chronische Erkrankungen oder belastende familiäre Verhältnisse.

Belief-bias-effect:
Man glaubt an etwas und interpretiert dann auch die Fakten so, man „macht es
sich passend“. Ungültige Argumente werden akzeptiert, weil Werte-
Einstellung-Vorwissen-Glaube den Schlussfolgerungsprozess „verzerren“

Egozentriker:
Selbstbezogene Menschen, unfähig die Perspektive einer anderen Person einzunehmen

Emotion:
Oft erst mal ganz unkontrollierbar im Gehirn getriggert. Gefühle, Erregungen, Empfindungen werden initiiert und lösen Reaktionen aus. Wenn man dies erkennt, kann man es steuern, wenn nicht, ist man dadurch konditioniert und Spielball der eigenen „Gefühle“. Oft histrionische Persönlichkeiten, die dann für andere sehr belastend sind.

Emotionale Intelligenz:
Emotionen erkennen und kontrollieren, diese beurteilen, verstehen, analysieren. Diese kontrolliert zum Ausdruck bringen und das Denken damit unterstützen, Emotion& Denken bewusst einsetzen bedeutet Kontrolle über sich zu haben.

Entscheiden:
Bedeutet in erster Linie, dass man in der Lage sein muss etwas aufzugeben oder zu unterlassen, um dafür was anderes zu tun. Wenn man sich nicht entscheidet, dann agiert man nicht und wird zum Spielball der Entwicklung. Das Risiko einer Nicht-Entscheidung ist in der Regel größer als das einer falschen Entscheidung. Wenn man entscheidet, dann engt man sich erst mal ein, muss das dann aber so gestalten, dass es eine Bereicherung wird. Beispiel: Ein Mann kann sich zwischen zwei feinen Damen entscheiden. Wenn er es nicht tut, dann hat er am Ende keine mehr. Wenn er es tut, dann muss er eine gehen lassen und hat das Risiko, dass er eine Fehlentscheidung getroffen hat. Selbiges gilt auch für die Berufswahl  u.v.m. Für positive Entscheidungen braucht man Mut und Kraft und für eine positive Umsetzung dann Fleiss und Disziplin.

ES:
Die Persönlichkeits- und Entscheidungsstruktur des Neugeborenen und Säuglings bis zum Kleinkind. Er entscheidet sich immer für die Lustbefriedigung (Essen, Trinken, Wärme usw.) Das ES reagiert egoistisch, selbstbezogen, bedarfsorientiert und impulsiv.

Fluide Intelligenz:
Komplexe Eindrücke und Zusammenhänge können geordnet werden. Es ist die Fähigkeit komplexe Beziehungen und Aufgaben zu strukturieren und zu lösen

Furcht:
Im Gegensatz zur ungerichteten Angst gibt es für die Furcht einen konkreten Anlass. Es ist die Reaktion auf eine reale Gefahr.

Gegenkonditionierung:
Man erkennt, dass man falsch konditioniert ist, falsche Reaktionen werden durch richtige Reaktionsmuster ersetzt. Z.B. reagiert man auf Kritik und Konflikte mit Angst und Aggression. Nun muss man dies erkennen und lernen, dass Kritik und Konflikte etwas Normales und Richtiges sind, und dass man froh sein muss, wenn dies an einen heran getragen wird. Neues Reaktionsmuster: Danke, dass ihr diese Kritik bzw. diesen Konflikt direkt an mich heran tragt, dann können wir das gemeinsam besprechen. Oder: Viele Menschen fliehen vor Herausforderungen, weil diese Angst triggern, und leiden am Ende unter ihrem Versagen. Ganz aktiv Herausforderungen suchen und lernen diese erfolgreich zu bewältigen.

Generalisierte Angststörung = ungerichtete Angst:
Es bestehen Existenz- und Beziehungsängste ohne Korrelat, dieser Mensch ist ängstlich und besorgt ohne erkennbare Ursache. Meist sind dies Menschen, die im Leben zu wenig leisten und dann zunehmend erkennen, dass sie den Herausforderungen nicht mehr gewachsen sind. Anmerkung: wird oft von Depressiven bewusst eingesetzt, um Zuwendung oder Entlastungen zu bekommen.

Generativität = Freud ́sches ICH:
Bis zum Kleinkind die Persönlichkeitsstruktur des instinktiven ES. Ein starkes ÜBER-ICH (der Vater) agiert als externer Strukturgeber, das ist für die Entwicklung zum jungen Menschen extrem wichtig. (leider können das viele Eltern nicht mehr,  weil sie selbst im ES verharren). Aus dieser externen Struktur bildet der junge Mensch seine eigene Struktur, es reift das ICH aus dem Über-ICH. Der Mensch mit einem starken ICH übernimmt Verantwortung, ist verbindlich gegenüber Partner, Familie, Gesellschaft, Arbeit, künftigen Generationen.

Groupthink:
Die Gruppe hat eine Erwartungshaltung an ihre Mitglieder und ihre Umwelt, deswegen ist es ja eine Gruppe. Die Wertungen sind vereinheitlicht, Entscheidungen meist im Konsens, zu gerne gesteuert von einem „Führer“. Ontogenetisches Ziel ist es die Gruppe zu stabilisieren. Erst mal wird die Gruppe dadurch enorm gestärkt. Witzig ist, dass Kinderbanden, Reitvereine, Terroristengruppen, Oligarchien und Aufsichtsräte bzw. Vorstände sich diesbezüglich nicht unterscheiden. Im Gegenteil, die eingeforderte „Linientreue“ ist bei scheinbar modernen Unternehmen oft extrem rigide, Abweichung oder unkonventionelle Äußerungen werden da gleich als Verrat gesehen („identifiziert sich nicht“, „denkt falsch“, „passt nicht“). Diese  Unfähigkeit zum kreativen Denken wird dann entweder out-gesourct (man braucht dann Berater), oder mündet bald in ein Versagen der Gruppe.


ICH:
Übernahme von verbindlicher Verantwortung vor allem für die Erhaltung der Gruppe (Familie, Gemeinde, Betrieb, Land, militärische Einheit, Partner, etc.). Die Instinkte, Triebe, Lüste und Leidenschaften werden kanalisiert. Auf diese Menschen kann man sich verlassen. War früher sehr häufig, ein ganz hohes Ideal, bis zur sog. „Nibelungentreue“.

Ideale:
Altgriechisch ist es das Muster oder die Vorstellung vollkommener Ästhetik. Kant sieht darin die praktische ethische Vernunft und Urteilskraft. Wir verstehen darunter eine anstrebenswerte Norm, der man meist nur annähernd genügen kann. (Interessant: Über die Destruktivität von Idealen von Wolfgang Schmidbauer. Menschen postulieren Ideale, definieren diese überhöht und unerreichbar, und tun dann gar nichts mehr – weil es sowieso nicht erreichbar ist.)

Impulsive Aggression:
Im Eifer des Gefechts, plötzlich emotional spontan, als Reaktion auf eine Situation.

Instrumentale Aggression:
Zielgerichtete wissentlich eingesetzte Aggression Vorausgehende planende Überlegung, um bestimmte Ziele zu erreichen

Konditionieren:
Ein Mensch oder Tier reagiert auf einen inneren oder äußeren Stimulus. Der kleine Vogel reagiert auf den gelben Schnabel, weil er nun Futter erwartet. Ein Mensch reagiert unterbewusst auf eine Situation, ohne objektives Korrelat. Am Ungünstigsten sind unterbewusste angstbesetzte Reaktionen auf Stimuli - Ereignisse - Verknüpfungen – Gedanken - Emotionen – Wahrnehmungen. Zentrales Thema der Verhaltenspsychologie. Im ZEN ebenfalls zentrales Thema. Im  Unterbewussten ein steter Fluss von sinnlosen Gedanken und Emotionen, dies ist unkontrolliert und erzeugt unkontrollierte Verknüpfungen und zudem ein unkontrollierbares Ergebnis; Konditionierung heißt, dass unterbewusste Strukturen aktiviert werden und diese ein unbeeinflussbares Resultat erzeugen. Auf der Ebene Tier ist das der Instinkt; der Mensch hingegen vermengt dann alles mit allem, das Ergebnis kann sehr schädlich sein, wenn es keine externen oder inneren Strukturgeber gibt.

Kognition:
Wahrnehmung, Aufmerksamkeit. Dies verknüpft Schlussfolgerungen, Emotionen, Gedächtnisinhalte. mit Erinnerung,

Kristalline Intelligenz:
Bekannte abrufbare „alte“ Muster aus dem bisherigen Leben im Gehirn. Damit arbeiten erfahrene intelligente ältere Menschen sehr erfolgreich. Sie haben dies zur Verfügung und die Fähigkeiten dies abzurufen. Typischerweise mit großem Wortschatz, guter Rechenfertigkeit, breitem Allgemeinwissen und sehr viel Erfahrung. (Dagegen ist die fluide Intelligenz das spontane Kombinieren, das Erfassen ohne Vorerfahrung)

Moral:
Ein positiver Begriff, Sitte, Moral, Ethik, Werte, Ideale gehören zusammen. Es sind die Regeln von Gruppen oder Kulturen bzgl. Werte, Ethik und sittlichem Verhalten. „Und die Moral von der Geschicht“: was leitet sich aus einer Geschichte für
das sittlich-moralisch-ethische Verhalten eines Menschen ab?

Reziproker Altruismus:
Eigentlich was ganz mieses, man tut Gutes, um selbst Gutes zu bekommen. Andererseits ist dies die Triebfeder der Menschheit – die Erwartung, dass altruistisches Verhalten im Gegenzug mit altruistischem Verhalten belohnt wird; und man darf dann für sich einen Vorteil erwarten.

Über-ICH:
Das Kleinkind bekommt mit dem Vater einen externen Strukturgeber. Es ist die Steuerung eines Kindes und Jugendlichen mit Normen, Vorbild, Humor, gesellschaftlichen Werten, Standards, Moralvorstellungen; am Vorbild und Maßgabe dess Über-ICHs (meist der Vater) entwickelt sich das ICH. Ohne ÜBER-ICH und ohne ICH kollabiert eine Gesellschaft. Buchempfehlung: Der Eisenhans – oder die vaterlose Gesellschaft.

Werte – Wertvorstellungen:
Der Begriff WERT ist neutral, auch Verbrecher, Terroristen und Diktatoren haben Werte. Das Wertesystem von Kulturen und Gesellschaften kann ganz unterschiedlich sein. Die westliche Welt hat erkannt, dass humanistisch-christliche Werte und Ideale für den Menschen und die Gesellschaft zuletzt am besten sind. Das sieht der überwiegende Teil der Menschheit aber nicht so; hat dies auch nie entwickelt, so dass es da keine Chance gibt dies umzusetzen – selbst wenn man wollte. Deshalb wird es nun notwendig, dass wir (Europa, Australien, Nordamerika) das erkennen und Konsequenzen ziehen.