Renaissance - Aufklärung ab 1400 n. C.

Der Humanismus blieb dem Christentum verpflichtet. Die Humanisten waren zum Teil in der Kirche und bei den Päpsten hochangesehene Leute. Der Humanismus und die Reformation fanden parallel statt, gingen allerdings ganz andere Wege.

Während der Humanismus eine Sache der Gelehrten blieb, griff die aus ihm hervorgehende Renaissance auf alle Lebensbereiche über. Wissenschaft, Medizin, Technik, Recht, Kaufmannswesen, Architektur, Bildhauerei und Malerei.

Erasmus von Rotterdam (1466–1536). Einer der bedeutendsten Humanisten. Er setzte sich für einen christlichen Humanismus ein. Erasmus lehnte aber Luthers antihumanistisches Bestreiten der menschlichen Willensfreiheit ab und dessen grausame Stellungnahme zum Bauernkrieg. Luther wiederum bezeichnete Erasmus als einen schöngeistigen Skeptiker und verwöhnten Genussmenschen.

Luther sah den einzelnen Menschen und einen übergeordneten Sinn. Sein Ansinnen zielte auf ein richtiges und gottgefälliges Leben, so dass der Einzelne Gnade vor Gott finde. In seinen Schriften und Reden spannte er einen weiten Bogen; er kritisierte viele Institutionen und Zustände aus der Sicht der Heiligen Schrift. Diese übersetzte er ja genau deshalb, damit diese Aussagen Allgemeingut werden konnten. Eine unglaubliche und einzigartige Leistung, mit der er die aussagekräftigste und logischste Sprache der Welt schuf und die Basis für die deutsche Nation legte.

Sein Protest und seine Reformation richteten sich in erster Linie gegen die katholische Kirche, die sich von den christlichen Idealen und Werten abgewandt hatte. Von 500 bis 1500 nach Christus wurden die Menschen ausgebeutet und immer unfreier. Der Terror ging bis in die Gedanken, ein perfides Unterdrückungssystem. Vermeintliche Gedanken, vermeintliche Unkeuschheiten, vermeintliche Sünden reichten zur Verdammnis. (Anmerkung: Bestrafung im Jenseits und das Fegefeuer wurden noch bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gepredigt.) Hexenverbrennung und Inquisition waren nur die sichtbare Spitze dieses Eisberges. Und bei all dem war der Klerus nur selbstsüchtig. Die unterjochte und ausgelaugte Bevölkerung orientierte sich aber nicht ungern an der Kirche („unterm Krummstab ist gut leben“), weil die verbrecherische Feudalherrschaft des Adels noch übler war. Sehr viel Leid und Unterdrückung, so dass die Bevölkerung Europas in dieser Zeit immer gleich blieb mit sehr hoher Sterblichkeit. Interessanterweise war dies aber ein Fundament für Renaissance-Aufklärung-Humanismus, weil die Menschen sich danach sehnten. (Anmerkung: Europäische Menschen hatten durch diesen 1000jährigen extremen Druck und  Selektion eine hohe Resilienz, sowohl psychisch, als auch bzgl. körperlicher Belastung und Erkrankungen (sehr gute Immunabwehr), entwickelt.

Luther sah, dass dieses katholische System des Vatikans keinesfalls so weiter gehen könne; aber nicht aus humanistischen Gründen, sondern weil nach seiner Vorstellung die Menschen derart irregeleitet vor Gott keine Gnade finden würden. Luther nahm dafür auch die Abkehr von den Bauern, das Bündnis mit den Fürsten und den (von Melanchthon voraus geahnten) 30-jährigen Krieg in Kauf. Ausgangspunkt der humanistischen Bewegung war Italien, wo Francesco Petrarca mit seinem Canzoniere (1470) das innerweltliche Schönheitsideal seiner Geliebten Laura pries und Giovanni Boccaccio in Il Decamerone (1353) die Sinnenfreude feierte. Zum führenden Kopf des Humanismus wurde Erasmus von Rotterdam, dessen anti-klerikale Satire „Das Lob der Torheit (1509)“ zur europaweiten Verbreitung humanistischen Denkens beitrug. Als Humanisten galten zunächst die Männer, die sich wissenschaftlich mit der Kultur und vor allem den Sprachen der Antike (zunächst dem  Lateinischen, später auch dem Griechischen) beschäftigten. Eine verstärkte Hinwendung zur Naturwissenschaft und die (häufig satirische) Kritik an kirchlichen Dogmen charakterisieren die Schriften vieler Humanisten. Als Humanismus wird eine Geisteshaltung bezeichnet, die zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert die historische und kulturelle Epoche der Renaissance kennzeichnete. In Anlehnung an die Antike zielte sie auf ein Idealbild des Menschen, der seine Persönlichkeit auf der  Grundlage allseitiger theoretischer und moralischer Bildung frei entfalten kann. Albert Einstein : »Eine Verbesserung der Bedingungen auf der Welt ist im Wesentlichen nicht von wissenschaftlicher Kenntnis, sondern vielmehr von der Erfüllung humaner Traditionen und Ideale abhängig.« Mahatma Gandhi: »You must not lose faith in humanity. Humanity is an ocean; if a few drops of the ocean are dirty, the ocean does not become dirty.« Richard von Weizsäcker: »Europa muss, seinem Erbe getreu, einen neuen Humanismus verkörpern, als Hort der Menschenwürde und der sozialen Gerechtigkeit.«

Der Begriff Humanismus wird nun von vielen beansprucht:

  • der idealistische Humanismus, zielend auf die „harmonische Idealität
    der Menschen“
  • der liberaldemokratische Humanismus pragmatischer Färbung, der den
    gebildeten, aufgeklärten und beruflich erfolgreichen Bürger in der
    modernen Welt im Visier hat;
  • der marxistische Humanismus, der auf Überwindung der
    Selbstentfremdung des Menschen durch kapitalistische
    Arbeitsverhältnisse und Ausbeutung zielt;
  • der integrale Humanismus, der in seinem Menschenbild die Tradition
    des Katholizismus mit den neuen Aufgaben in einer säkularisierten
    Gesellschaft zusammenführt;
  • der biblizistische Humanismus protestantischer Herkunft, dessen
    Menschenbild ausschließlich auf die Bibel zurückgreift;
    der existenzialistische Humanismus, der für die freie Entwicklung der
    individuellen Existenz ist.