Aristoteles

Während Platons Philosophie auf einen „verträumten“ Idealstaat und eine jenseitige Ideenlehre zielte, war Aristoteles der Realist. Die erfahrbare Wirklichkeit von Natur und menschlicher Gesellschaft sollte erfasst und wissenschaftlich geordnet werden.  Biologie und Medizin, Politik, Rhetorik wurden mit einem enzyklopädischen Wissensdrang erfasst. Er begründete die Logik mit ihrer Wissenschaftssystematik. Die Autorität, die Aristoteles als Forscher und Denker noch im europäischen Mittelalter besaß, war so groß, dass sein Name für den Begriff des Philosophen schlechthin stand.

Aristoteles schrieb über 200 Bücher, von denen keines erhalten ist. Erhalten sind nur einige Vorlesungsskripten, die für seine Schule bestimmt waren. Kern sind die Erscheinungen der Natur und die Existenz des Menschen. Eines der bedeutendsten Beiträge zur abendländischen Geistesgeschichte ist seine Logik. Mit Humanismus-Renaissance-Aufklärung profitierte die westliche Welt bis heute von seiner Leistung.

Ethik des Aristoteles:

  • Jeder Mensch strebe nach Vollendung.
  • In der Vernunft findet der Mensch Glückseligkeit.
  • Vernunft wird entwickelt durch Fleiß und Bildung
  • Soziale Einbindung durch Beachtung der Normen und Gesetze
  • Der freie Willen für das Gute reicht nicht, man muss das Gute auch
    trainieren.
  • Ethischen Tugenden in der Mitte zwischen Extremen:
    • Tapferkeit als Mitte zwischen Feigheit und Tollkühnheit,
    • Mäßigung als Mitte zwischen Wollust und Stumpfheit,
    • Großzügigkeit als Mitte zwischen Geiz und Verschwendung

Aristoteles missbilligte die Ideenlehre des Platon

  • "Die Ideen helfen nichts, weder zur Erkenntnis der anderen Dinge noch
    zum Sein des Menschen, da sie ja nicht in den an ihnen teilhabenden
    Dingen sind."
  • Er „erfand“ die Naturwissenschaft: Das Wesen der Dinge liegt in ihnen
    selbst. Deshalb müsse man die Dinge untersuchen, um zu ihrem
    innersten Wesen vorzudringen.
  • Gott hat zwar die Welt erschaffen und in Schwung gebracht, greift aber
    nicht mehr in sie ein, ist also durch die Welt auch nicht zu beeinflussen.

Aristoteles – Logik – Wissenschaft

  • Er führte fassbare Begrifflichkeiten ein, wie Person, Zustände,
    Substanzen, Quantität, Qualität, Verhältnis, Wo, Wann, Lage, Haben,
    Tätigkeit, etc.
  • Er war der erste, der die Logik betrachtete und beschrieb. Er teilte seine
    Lehrinhalte in Kategorien ein, die das Erfassen, Lehren, Nachdenken
    und Vergleichen erst ermöglichten.
  • Sinnvolle Worte, semantisch logische Sätze und Verknüpfungen
    wurden zu sinnvollen nachvollziehbaren Aussagen.
  • Aus Aussagen wurden Sätze, Urteile und daraus rationale Schlüsse.
  • Eine Kette von Schlüssen ist dann ein Beweis.

Staatslehre des Aristoteles

  • Empirie = nur die Erfassung der Wirklichkeit zählte, nicht die Theorie.
    Aristoteles wollte den best-möglichen Staat.
  • Er untersuchte und beschrieb sehr viele Staatsformen.
  • Der Mensch ist ein staatsbildendes Wesen, er strebt nach politischer
    Gemeinschaft.
  • Das Prinzip, das einen Staat formt, ist seine Verfassung.Aristoteles beschreibt drei mögliche Verfassungen:
    1. Königtum und als deren Entartung die Tyrannis
    2. Aristokratie ("Herrschaft der Besten"). Die kann in Oligarchie,
      in die Herrschaft weniger, nicht unbedingt der Besten ausarten.
    3. Volksherrschaft, deren Abart die Demokratie (= Tyrannis des
    Volkes) darstellt. Abwertend aber auch die Begriffe Ochlokratie
    und Laokratie, wenn der „Pöbel“ (die „Straße“) die Geschicke
    steuert.
  • Aristoteles hält eine gemäßigte Volksherrschaft für die günstigste
    Variante. "Die staatliche Gemeinschaft ist die Beste, die auf Grund des
    Mittelstandes besteht", denn damit werden Extreme vermieden.
  • Privateigentum bleibt privat, aber gemeinsame Nutzungen.
  • Sklaverei und Ungleichheit (zwischen Mann und Frau) gehören zur
    natürlichen Ordnung, ebenso wie Gleichheit unter freien Männern