Entwicklungspsychologie

Das Gehirn des kleinen Kindes entwickelt sich erst mal rasant:

  • Die Gehirnentwicklung und das Lernen beginnen in der 2. Schwangerschaftswoche.
  • Die Anzahl der Gehirnzellen ist beim Neugeborenen gleich einem Erwachsenen.
  • Die wesentlichen Synapsenbildungen, Verbindungen, Vernetzungen der Neuronen und Myelinisierungen finden vor dem 3. Lebensjahr statt.
  • In der frühen Kindheit wird die Basis für alle späteren Entwicklungen gelegt.
  • Bis zum 6. Lebensjahr besteht der höchste Grad der Vernetzung von Neuronen.
  • Das sind doppelt so viele wie beim Erwachsenen; leider wird meist bis zum Jugendalter wieder abgebaut - auf den Stand mit ca. 2 Jahren.
  • Welche Verbindungen erhalten und verstärkt werden, wird durch Lernen, Erfahrungen und von den Umweltreizen bestimmt.

Besonders bedeutsam ist die frühe Bildung der Kinder:

  • Die Synapsen sind entscheidend für die Verarbeitungskapazität und Lernfähigkeit.
  • Aufgrund der Plastizität des Gehirns und der Ausbildung von neuronalen Netzwerken sind Lernanreize von außen, Erfahrungen und aktives Tun ganz wesentlich.
  • In den ersten 10 - 12 Jahren wird der Grundstein für die weitere kognitive Entwicklung gelegt.


Prozesse, die Entwicklung bewirken:

  • Gene und körperliche Entwicklung.
  • Lebensphasen, z. B. Sprachentwicklung im Kindergartenalter, Lesen und Schreiben im Grundschulalter, dann Sachlernen und daraufhin Identitätsfindung im Jugendalter. Reifung und verbindliche Übernahme von Verantwortlichkeit durch den jungen Erwachsenen.
  • Beeinflussung der Entwicklung durch Vorbilder, Normen und Werte der Familie, Ziele, Ideale, das „Milieu“, Religion, Medien und Kultur.
  • Kritische Lebensereignisse: belastende Ereignisse, z. B. Krieg, Unfall, Verlust, Trennung, Scheidung der Eltern, Krankheit.

Erklärungsmodelle für Entwicklung:

  • Umweltmodell: Entwicklung durch Einflüsse von außen.
  • Dispositionsmodell: Reifung nach genetisch festgelegtem Plan. Selbstgestaltungsmodell: Gestaltung der Entwicklung nach eigenem Willen.
  • Interaktionistisches Modell: Mensch und Umwelt als sich gegenseitig bedingendes System.

Bindungen beeinflussen die Entwicklung:

  • Sicherheit: die Kinder erfahren Unterstützung und Sicherheit, sie
    werden dadurch emotional und sozial kompetent.
  • Unsicher–vermeidend: Menschen neigen aufgrund der Erfahrung von Zurückweisung oder Kränkung entweder zu aggressivem Verhalten oder zum Rückzug.
  • Unsicher-ambivalent: widersprüchliches Verhalten aufgrund von unberechenbaren Bezugspersonen.
  • Desorganisiert: stete Unverbindlichkeit, Verhaltensauffälligkeiten induziert häufig

Es gibt Entwicklungsrisiken:

  • Biologische Risiken: z. B. Frühgeburt, Rauchen oder Alkohol der Mutter in der Schwangerschaft, genetische Dispositionen
  • Kindbezogene Risiken ("Charakter"): z. B. geringe Intelligenz, schwieriges Temperament („Schreikind“), mangelnde emotionale, soziale und emotionsregulierende Fähigkeiten, dadurch negative Wirkung und negatives „Feedback“ der Umwelt.
  • Umfeldbezogene Risiken: kriminelle Gegend, fehlendes oder ungutes soziales Netzwerk
  • Und familiäre Risiken:
    • z. B. niedriger sozioökonomischer Status, fehlende Bildung der Bezugspersonen, abwertendes/inkonsequentes/schwaches Erziehungsverhalten der Eltern, psychische Erkrankung einer Erziehungsperson.
    • Insbes. bei sog. „bildungsfernen Familien“ und solchen mit Migrationshintergrund wurde in Studien festgestellt, dass die Förderung der geistigen Fähigkeiten der Kinder oft unzureichend ist und Defizite in der Entwicklung bestehen.
    • Für diese Kinder ist der sehr frühe Besuch einer guten Kindertagesstätte von großer Bedeutung, um eine gute Entwicklung zu fördern.
    • Defizite in der frühkindlichen Förderung und Entwicklung beeinflussen die gesamte Bildungs- und Lebensbiografie negativ!
    • Ebenso ist das Gesundheitsverhalten (Ernährung, Bewegung, Rauchen, Alkohol) abhängig vom sozioökonomischen Status

Unterschieden werden verschiedene Kompetenzbereiche:

  • Individuumsbezogen: z. B. Entwicklung eines positiven Selbstkonzeptes, Selbstwirksamkeit, Selbstregulation, Neugier und Interesse, Erkennen und Umgang mit Gefühlen bei sich selbst und anderen, Entwickeln von Problemlösungsstrategien,   Kreativität, Denkfähigkeit und Gedächtnis, differenzierte Wahrnehmung, Körper- und Gesundheitsbewusstsein, Stressbewältigung.
  • Handeln im sozialen Kontext: z. B. Empathie, Kommunikations-, Kooperations- und Teamfähigkeit, Entwicklung von Werten, Fähigkeit und Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme für sich und andere, Umwelt und Natur, Fähigkeit und  Bereitschaft zur demokratischen Teilhabe und Engagement.
  • Lernen und Lernmethodik: z. B. bewusster, selbstgesteuerter und reflektierter Erwerb von neuem Wissen, Anwendung und Übertragung dieses Wissens, Beobachtung und Regulation des eigenen Lernverhaltens.
  • Umgang mit Belastungen und Veränderungen: siehe unterResilienz
  • Schutzfaktoren: Bezugspersonen, die eine stabile emotionale Beziehung bieten / ein positiver Erziehungsstil / Modelle positiver Bewältigungstrategien / unterstützende soziale Beziehungen / positive Lernerfahrungen z. B. in einer Kita und in einer guten Familie.


Zusammenfassung:

  • Die Kindheit ist ganz wesentlich für die Entwicklung.
  • Vor allem Sprache ist das zentrale Thema. Lieder singen, Bilder zeigen, Vorlesen und Geschichten erzählen. Und dies gepaart mit Humor, Lebenswitz, Eloquenz, Vermittlung von Werten und Zielen, Anerkennung und Liebe.
  • Leider wird bis zur Jugend meist wieder abgebaut! Und viele Menschen vernachlässigen weiterhin im Erwachsenenalter das Engagement für den eigenen Geist und Körper mit kontinuierlichem Abbau.
  • Entwicklung endet aber nicht mit der Kindheit bzw. Jugend - Entwicklung findet über die gesamte Lebensspanne statt.
  • Einige Stichworte sind: Lernen, Lesen, Erarbeiten, Entwickeln, Meditation oder Gebet, Singen, Gedichte rezitieren, Musizieren, Schauspielen, Humor und Kommunikation üben, kultivieren von Tugenden, Kunst, Sport, Muskelaufbau, Tanzen, TaiChi, Engagement, Ideale, Ziele, Werte, Tugenden, Disziplin, Fleiß und verbindliche und zuverlässige Übernahme von Verantwortung.
  • Nicht-Entwicklung von Geist und Gehirn ist steter Abbau. Dies bewirkt zunehmendes Versagen und Ängste, und auch eine frühe dementielle Entwicklung.
  • Entwicklung wird heute als ein das ganze Leben andauernder Prozess der Auseinandersetzung des einzelnen Menschen mit sich und der der Umwelt angesehen.
  • Die Arbeit am Körper, Gehirn und am Geist ist ein kontinuierlicher Prozess. Es ist nie zu spät damit zu beginnen. Natürlich je früher, desto besser.