Gleichnisse

Das Gleichnis vom Weinberg

Das Reich Gottes wird mit einem Weinberg verglichen. Der Weinbergbesitzer vereinbart mit ihnen einen Tagelohn von einem Silberstück. Er geht weitere vier Mal, um Arbeiter einzustellen. Alle erhalten denselben Lohn. Die Arbeiter, die den ganzen Tag gearbeitet haben, beschweren sich darüber. Der Hausherr weist die Kritik aber zurück, indem er daran erinnert, dass sie mit ihm über die Bezahlung eines Silberstücks übereingekommen waren.

Deutung des Gleichnisses:
Der Weinbergbesitzer gibt allen Arbeitern genau den Lohn, der in damaliger Zeit notwendig war, um eine Familie einen Tag lang ernähren zu können. Die Kirche umfasst alle, die am gemeinsamen Ergebnis mitarbeiten, egal, wann sie damit anfangen. Gott zahlt keinen Stundenlohn, ihm liege an den freien Entfaltungsmöglichkeiten aller Menschen.

Meines Erachtens aber auch folgendes:
Der Orient war und ist bis heute geprägt von einer „Neidgesellschaft“. Das Bakschischsystem besagt, dass man die Errungenschaften eines Erfolgreichen zunichte machen kann, wenn er nichts abgibt. Wenn ein Mensch Erfolg hat, klagt das Umfeld und die Großfamilie ein, dass er etwas abgeben muss. Derart kann Erfolg nur mit Gewalt verteidigt werden. Diese neidorientierte Ordnungsstruktur lähmt eine Gesellschaft; wer arbeitet und etwas leistet, bekommt es sowieso wieder abgenommen.

Man soll nicht neidisch und missgünstig auf den Erfolg anderer schauen. Dieses Gleichnis nimmt unser modernes Wirtschaftssystem vorweg. Einerseits gleiche Chancen für alle, aber eine klare Absage Jesu an die orientalische Neid- und Bakschischgesellschaft.

Gleichnis vom barmherzigen Samariter

Ein Pharisäer stellt die Frage, was zum Erwerb des ewigen Lebens als wichtigstes zu tun sei. Da erklärt ihm Jesus: Ein Mann auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho wurde ausplündertet und verletzt. Ein Priester sah ihn und ging weiter, ebenso ein Levit. Schließlich versorgte ihn ein Samariter und transportierte ihn zur Herberge.

Deutung des Gleichnisses:
Der Priester und der Levit sind sog. „Gerechte“; beide hätten sich gefährdet und verunreinigt gefühlt, wenn sie den Verletzten oder gar Sterbenden berührt hätten. Samariter waren eine verachtete Untergruppe der Juden. Wir wissen auch nicht, wer der Verletzte war – war es vielleicht ein Außenstehender (Feind, Römer, Jude, Räuber; Aussätziger) ? Es geht also nicht um Gruppenzugehörigkeit oder Stand; der Nächste ist jeder, kann auch ein Feind sein. Jesus weitet den Begriff des „Nächsten“ auf alle Menschen aus – revolutionär!

Gleichnis vom bittenden Freund
Jesus sagt, man solle sich vorstellen, man bräuchte ausgerechnet um Mitternacht dringend drei Brote. Eine sehr lästige Bitte, die einem selbst Leid tut, man hätte überraschend Gäste.

Deutung:
"Bittet, dann wird euch gegeben", stellt die Quintessenz des Gleichnisses dar. Das Bitten um die drei Brote ist demnach gleichzustellen mit dem Gebet an Gott. Man darf Freunde (und Gott) bitten, man muss sich dafür nicht schämen. Kein falsches Ehrgefühl, wenn es dringende Notwendigkeiten gibt.

 Gleichnis von den Ehrenplätzen bei einer Hochzeit
Als Gast solle man sich nicht auf die obersten Plätze setzen. Denn komme dann ein Vornehmerer, müsse man weichen. Sitzt man dagegen unten, so wird man vielleicht erhöht: "Denn wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöht werden." Zudem solle man nicht seine Freunde oder reichen Nachbarn zu einem Mahl einladen, weil diese sich ebenso revanchieren würden, sondern die Armen. Denn Letztere könnten sich nicht mit einer Gegeneinladung erkenntlich zeigen. Seine gute Tat werde ihm aber bei der Auferstehung der Gerechten vergolten werden.
Deutung:
Zentrales Thema ist die Erniedrigung derjenigen, die sich selbst erhöhen, und Erhöhung der Erniedrigten. Ebenso ist die Einladung Hochrangiger nur berechnend und selbstsüchtig, weil man sich davon Vorteile erhofft. Ideal ist das selbstlose Geben, sich darüber freuen, ohne Hintergedanken. Das bestätigen auch moderne psychologische Studien, wer mit Freude und ohne Hintergedanken abgibt, tut sich damit selbst auch was Gutes.

Gleichnis vom Herrn und Knecht
„Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.“
Deutung:
Theologisch Bezug auf Gott, egal wieviel und was wir tun, wir werden immer nachrangig sein. Die moderne Interpretation besagt: Du kannst tun, was Du willst, es gibt keinen Stillstand, auf dem man sich ausruhen kann. Wir sind ständig gefordert weiter
aktiv und tätig zu bleiben. Und das ist etwas Gutes! Stillstand bedeutet für jeden Menschen Rückschritt, auch seelisch bzw. psychisch. Also eine sehr moderne Art den Menschen in seinem Aufgabenfeld zu sehen. Auch Buddha fordert den Menschen zur steten Arbeit, Bildung und Weiterentwicklung auf.

Gleichnis vom großen Abendmahl
Ein König schickt seinen Knecht, um Gäste zu einem Abendmahl einzuladen.
Jeder der Gäste hat jedoch „Wichtigeres“ zu tun und sie sagen ab. Als der
König dies hört, wird er zornig und lädt alle Armen ein.
Deutung:
Menschen, die für sich selbst alles haben und selbstgefällig werden, dabei ihre
Verpflichtungen und das Umfeld nicht mehr wahrnehmen, die beschädigen
sich selbst. Theologisch nehmen sie die göttliche Einladung nicht wahr.
Nichttheologisch sind sie befangen in ihrem Wohlstand und Wohlleben;
dadurch nehmen sie sehr viele sehr wichtige Dinge im Leben nicht wahr. Im
modernen Sinne kann man sagen, dass Herausforderungen, schwierige
Aufgaben und verbindliche Verantwortlichkeiten vor dieser Ignoranz und
Rückentwicklung schützen.

Gleichnis von den törichten Jungfrauen
„Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit. Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht aber hörte man plötzlich laute Rufe: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus. Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es weder für uns noch für euch; geht doch zu den Händlern und kauft, was ihr braucht. Während sie noch unterwegs waren, um das Öl zu kaufen, kam der Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen. Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! Er aber antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“
Deutung:
Jungfrauen etwa um das 12 Lj. erwarten den Bräutigam; einerseits nicht klar, wann er kommt, andererseits muss man vorbereitet sein. Auch hier wieder ein sehr moderner Jesus, eigentlich schon ein Coach, ein Managementberater. Früh alle Risiken und Chancen erfassen und bedenken, alle Voraussetzungen entwickeln, um dann, wenn es darauf ankommt und soweit ist, auch bereit zu sein.

Gleichnis vom Nadelöhr
„Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“
Deutung:
Eine sehr enge Gasse hatte am Ende ein niedriges Tor, genannt das sog. Nadelöhr – und da kamen bepackte Kamele nicht durch. Auch hier wieder der sehr moderne Jesus. Ballast abwerfen, frei bleiben, Unnötiges weglassen, beweglich und flexibel bleiben, auch mal ganz bewusst etwas bleiben lassen. Sich selbst dabei so kontinuierlich entwickeln, dass man auch auf sich gestellt gut zurecht kommt.

Gleichnis vom fruchtbaren Acker
„Hört! Siehe, der Sämann ging hinaus, um zu säen. Und es geschah, indem er säte, fiel das eine an den Weg, und die Vögel kamen und fraßen es auf. Und anderes fiel auf das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte; und es ging sogleich auf, weil es nicht tiefe Erde hatte. Und als die Sonne aufging, wurde es verbrannt, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. Und anderes fiel unter die Dornen; und die Dornen sprossten auf und erstickten es, und es gab keine Frucht. Und anderes fiel in die gute Erde und gab Frucht, indem es aussprosste und wuchs; und es trug eines dreißig-, eines sechzig- und eines hundertfach. Und er sprach: Wer Ohren hat zu hören, der höre!“
Deutung:
Weisheit und „Wort Gottes“ müssen wachsen. Der Boden dafür muss fruchtbar sein. Das geht nicht schlagartig. Hier muss vieles zusammenwirken und es gibt vieles, das dies verhindern kann. Auch hier wieder der moderne Jesus, der kontinuierliche, fleißige Entwicklung fordert.

Gleichnis von den anvertrauten Talenten
Ein Herr geht auf Reisen und stattet seine Knechte mit finanziellen Mitteln aus. Zwei Knechte erwirtschaften Gewinn und wurden sehr belohnt. Der Dritte hatte Angst und vergrub das anvertraute Geld. Der Herr nimmt ihm auch das weg und spricht es nach dem Grundsatz „Wer hat, dem wird gegeben werden; wer nicht hat, dem wird genommen werden.“ dem Erfolgreichsten zu.
Deutung:
Da hatte einer Angst etwas zu tun, und hat nichts riskiert. Diese Angst war ja nicht unberechtigt. Man hätte mit Investitionen und Unternehmungen ja auch alles verlieren können. Und da ist wieder der neuzeitliche Jesus: Man verliert am Ende noch mehr, wenn man nichts tut. Man verliert nicht nur das Geld bzw. Güter, sondern auch Zugehörigkeit und Freunde. Da bekamen die Knechte die Chance zur Freiheit und Selbstbestimmung. Die muss man auch wahrnehmen. Wer das nicht tut, verliert am Ende alles, und wenn es „nur“ aus psychologisch-menschlicher Sicht ist. Die Talente und Chancen, die man bekommt, die muss man auch nutzen. Zum Einen für sich selbst, zum Anderen aber auch für die Familie, die Angehörigen und die Gesellschaft, um diese gemeinsam zu befördern.

Gleichnis vom Unkraut und Weizen
„Und Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.“
Deutung:
Das Gottesreich ist aus theologischer Sicht so stark, dass es nicht aufzuhalten sein wird. Man muss sich nicht vorbeugend mit der Bekämpfung aufhalten. Eine moderne Sichtweise sieht das ähnlich. Wenn man Widersprüchliches oder vermeintlich Schädliches attackiert, verliert man dadurch sehr viel Energie und schadet dem übergeordneten Ganzen. Zudem ist man auch gar nicht in der Lage Gutes und Schlechtes so sicher zu trennen. Erfolgreiches Prozessmanagement fokussiert sich auf das Voranbringen wichtiger Inhalte.

Werdet wie die Kinder
Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder, sonst werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Kinder sind schwach und auf Hilfe angewiesen; sie haben bedingungsloses Vertrauen. Sie sind sorglos, fröhlich, ohne Hintergedanken, lachen sehr viel, singen, lieben, freuen sich. Das kindliche Prinzip ist die Basis unseres Lebens, der Ursinn. Kinder sind Lebensfreude und beflügeln die „Erwachsischen“, Kinder sind existentiell wichtig.
Schimpansenhorden lösen sich auf, wenn der Nachwuchs weg ist (Leoparden u.a.). Wolfsrudel werden apathisch und jagen nicht mehr, wenn die Jungen geschlagen wurden (v.a. Puma). Eric Berne beschreibt, dass der Mensch sich mit seinen Kindern selbst nochmal rekapituliert. Enkel geben dem alten Menschen Sinn, so dass er stolz sterben kann. Kinder sind Lebensfreude, aber sie fordern auch unentwegt heraus, körperlich, mental und emotional, sie stellen die Erwachsenen auf den
Prüfstand, ob ihr Denken und Tun richtig ist. Das Rudel (Großfamilie, Stamm, Clan, Dorf, Kirchengememinde) hat vormals diese Aufgabe charmant gelöst. Die Kleinfamilie oder gar Alleinerziehende tun sich da schwer. Die meisten fliehen deshalb mittlerweile ins Singletum (Smart- Phone, Internet, Urlaub, "Job", Chillen, usw.). Manche Eltern reglementieren die Kinder starr und willkürlich, um die Kontrolle zu behalten; gerade wenn unkontrolliert dominante Mütter (oft aus Dummheit und Unsicherheit) das tun, dann mündet dies im sog. ADHS, das es vor 50 Jahren noch nicht gab. Nicht wenige ordnen sich hingegen den Kindern unter, Kinder und Hunde übernehmen dann die Kontrolle über den Lebensplan. Kinder stellen uns die entscheidenden Fragen, sie fragen uns nach den richtigen Wegen, suchen das, was das Leben ausmacht, wollen mit uns ihr Lebenskonzept entwickeln. Wenn man sich mit Kindern auseinandersetzt, kommt man selbst auf den Prüfstand; diese Herausforderung muss man annehmen können. Dazu braucht man Ideale, Werte, Visionen, Ziele, Kraft, Stärke, Disziplin, Verantwortungsbewusstsein, Verbindlichkeit und Humor.

Der verlorene Sohn
Der jüngere Sohn geht in die Fremde, verlangt von seinem reichen Vater sein Erbteil – und verprasst es. Zum Bettler herabgesunken kehrt er reumütig zum Vater zurück, um als Knecht zu arbeiten. Der Vater ist glücklich und kleidet ihn ein für ein großes Fest. Als sich der ältere Sohn über das Verhalten des Vaters beklagt, entgegnet dieser: „Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot
und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.“
Deutung:
Theologisch geht es um die unermessliche Güte und Gnade Gottes. Andererseits finden wir genau dieses Thema in vielen Anekdoten, Geschichten und Märchen immer wieder. Der Sohn, der weg geht und viele Niederlagen und Anfechtungen erlebt, der ist am Ende derjenige, der im Kreise der Familie sehr hoch angesehen ist oder gar den Familienbesitz übernimmt. Dieser Themenkomplex beschreibt die Entwicklung des reifen Menschen, der sich durch viele Aufgaben und Anfechtungen entwickelt hat. Analogie ist das Märchen vom Eisenhans (dazu das Buch „Die Vaterlose Gesellschaft“); sehr gut beschrieben in Analogie zu Freud, wie sich aus dem sog. „ES“ durch Reifung und Formung (ÜBER-ICH) ein verbindliches und verantwortungsbewusstes „ICH“ entwickelt.